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Museum Morsbroich

Melanie Lange, Moderne im Rheinland

Zu sehen ist das Cover des Kataloges zur ersten Ausstellung des Museum Morsbroich mit der Aufschrift „Rheinische Künstlergemeinschaft Leverkusen". Die grafische Gestaltung ordnet ein schwarz-weiß liniertes, zu geometrischen Flächen geformtes „L" einem schwarzen Au-genoval zu, aus dem nach rechts oben ein Pinsel erwächst. Im Hintergrund des Auges ist ein rosafarbenes Rad zu erkennen, mit dem gleichen Rosa sind die Borsten des Pinsels akzentuiert.
Cover der Ausstellungskataloges „Rheinische Künstlergemeinschaft", 27.01. bis 28.03.1951. Gestaltung von Joseph Fassbender, Bornheim
  • 1951
  • Politik
  • Gesellschaft
  • Kultur
  • Leverkusen
  • Aufarbeitung
  • Documenta
  • Grundsteine der Bonner Republik
  • Institutionsgeschichte
  • Kunst

Das Museum Morsbroich in Leverkusen ist das erste Museum für Gegenwartskunst, das nach der Diktatur des Nationalsozialismus und dessen kultureller Barbarei im Jahr 1951 in der Bundesrepublik Deutschland neu gegründet worden ist, und das bereits vier Jahre vor der ersten „Documenta“ in Kassel.

Die Eröffnung eines Museums für Gegenwartskunst im Jahr 1951 ist ein politisches Statement sondergleichen. Mit der Entscheidung, unter dem Titel „Rheinische Künstlergemeinschaft Köln“ (27.01. bis 28.03.1951) im Nationalsozialismus teilweise verfemten Künstler*innen wie Emil Schumacher, Ewald Mataré, Georg Meistermann, Gerhart Marcks, Hann Trier oder Friedrich Vordemberge-Gildewart ein museales Forum zu bieten, wird ein Signal für eine Neubesinnung in der Kunst gesetzt, das ausschließlich auf der Grundlage eines politischen Neuanfanges denkbar ist.

Ein solcher Gründungsakt ist nicht denkbar ohne die als Auftrag empfundene Bereitschaft, die von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemte Kunst wieder ins rechte museale Licht zu rücken. Hier ragt die Ausstellung „Ausgewanderte Maler“ mit Werken zum Beispiel von Paul Klee, Max Ernst, Kurt Schwitters, Heinrich Campendonk, Max Beckmann, Hans Purrmann und Wols heraus, die exemplarisch den ungeheuren kulturellen Exodus aufzeigen. Dass diese Ausstellung nur eine Woche nach dem Ende der „Documenta“ (15.07. bis 18.09.1955) eröffnet wird, ist kein Zufall. Diese zeitliche Anknüpfung stellt die dezidierte Fortführung eines visuellen Diskurses dar, der zu einem Kennzeichen der jungen Republik avanciert – mit dem erklärten Ziel, zwischen den mächtigen Scheren des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und einer kollektiv praktizierten Vergessens- und Verschweigenskultur, im Nachkriegsdeutschland ein Bewusstsein herbeizuführen, das auf der Basis eines Bekenntnisses zur Verantwortung einem freiheitlich demokratischen, selbstbestimmten Dasein zustrebt, das Ganze prismiert im Medium der Kunst.

Exakt diese miteinander korrespondierenden Impulssetzungen von Vergangenheit und Gegenwart lassen einen Charakterzug der Bonner Republik zu Tage treten, der in den meisten anderen Spuren dem Selbstverständnis und Handeln eher umgekehrte Vorzeichen voranstellt.
Bis heute findet die Ausstellungstätigkeit des Museums Morsbroich gemäß diesem Leitfaden statt, wobei inzwischen die nationale künstlerische Sicht der Dinge Teil eines vielfältigen und -schichtigen internationalen Kanons geworden ist.

Weiterführende Literatur und Links
  • Homepage des Museum Morsbroich - Link

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