„

„von unten“

Mit dem Begriff „von unten“ werden basisdemokratische Prozesse beschrieben, die von privaten Einzelpersonen und Gruppen aus der Bevölkerung ausgehen, also nicht im staatlichen Auftrag handeln. Sie bilden sich zumeist aus identitätspolitischer Motivation heraus und bauen sich eigenständig Strukturen auf, häufig aus selbstständiger Finanzierung.

A

Adenauer, Konrad

*1876 in Köln; †1967 in Rhöndorf.
1917 - 1933 Oberbürgermeister von Köln. Während des Nationalsozialismus wird Adenauer mehrmals inhaftiert, eine Teilnahme am organisierten Widerstand lehnt er jedoch ab. 1945 Mitbegründer der Christlich Demokratischen Union (CDU), 1949 - 1963 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Aksoy, Mehmet

*1939 in Hatay, TR.
Der Bildhauer lebte in den 1980ern in Berlin, heute lebt und arbeitet Aksoy wieder in der Türkei. Auch dort stoßen seine Monumente auf politischen Widerstand und wurden teilweise bereits abgerissen. Zur Website des Künstlers

Aktion Wohnungsnot

Der Verein Aktion Wohnungsnot wurde am 11. Januar 1973 im Anschluss an die Hausbesetzung in der Kronprinzenstraße in Düsseldorf gegründet. Zweck des Vereins war die „soziale Betreuung der Auszubildenden im Gesamthochschulbereich Düsseldorf durch Wahrnehmung von Aufgaben, die sich aus der Beschaffung von Wohnraum für die Auszubildenden ergeben“ (AWN-Satzung, 15.2.73, S. 2.) Nach Vereinbarung mit der Stadt konnten Student*innen, Schüler*innen und Auszubildende „mietfrei in zum Abbruch vorgesehenen Häusern der Stadt wohnen können, jedoch hätten sie sämtliche anfallenden Kosten selbst zu tragen (was einer Kostenmiete entspricht) sie sollten einjährige Nutzungsverträge mit vierteljährlicher Kündigungsfrist (...) und - wenn möglich - bei Abriss Ersatzwohnraum bekommen.“ (Schwarzbuch, 1981, S.51) In den 1980er Jahren

Albertz, Luise

*1901 in Duisburg, †1979. SPD-Politikerin.
1946-1979 Oberbürgermeisterin in Oberhausen. Vom Ministerpräsidenten Heinz Kühl wegen ihres Engagements für die Oberhausener Bergleute als „Mutter Courage des Ruhrgebiets“ betitelt.

Arbeitskampf

Widerstände gegen die Schließung von Industrie-Werken, die ausgehend von der Industrie-arbeiter*innenschaft ausgeführt werden und eine große Medienpräsenz erfuhren. Die Proteste erfuhren eine solidarische Welle quer durch verschiedene soziale Schichten. Sie sind noch heute im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung des Ruhrgebiets präsent.

Arbeitsmigration

Um dem Arbeitskräftemangel in der Kohle- und Stahlindustrie entgegen zu wirken, schloss die BRD von 1955 bis 1968 Anwerbeabkommen mit mehreren Staaten, darunter Türkei, Spanien, Griechenland und Italien. Da der Aufenthalt der Arbeitskräfte in der BRD ursprünglich nur befristet sein sollte und eine Integration der Zugewanderten in die deutsche Gesellschaft nie intendiert war, etablierte sich der Begriff „Gastarbeiter“. Heute ist der Begriff kritisch einzuordnen, da er die Ausgrenzung von Eingewanderten und den nachfolgenden Generationen euphemisiert. Weiterführend dazu Dirk Rupnow und Ludger Hoffmann.

Asso-Verlag

Der Asso-Verlag (abgeleitet von „Assoziation“) wird 1970 von Anneliese „Anna“ Althoff und Annemarie Stern gegründet. Ähnlich wie beim befreundeten Werkkreis Literatur der Arbeitswelt steht die Arbeiter*innenliteratur im Fokus des Verlags. Darunter die Anthologie „100 Jahre Bergarbeiterdichtung“ (1982). 2005 wurde der Verlag an Ernst und Ingrid Gerlach verkauft und in die ehemalige Zeche Alstaden verlegt, die das Ehepaar aufwendig sanierte und in ein Kulturzentrum umfunktionierte.

Auler, Hans-Peter und Brigitte

*1936 in Oberhausen.
Hans-Peter Auler war Bildhauer, Brigitte Auler Fotografin. Mitbegründer*innen des soziokulturellen Zentrums „Fabrik K14“ in Oberhausen.

B

Baier, Frank

*1949 bei Braunschweig, †2008 in Duisburg.
Liedermacher aus Duisburg, der für sein Engagement für die Bergarbeiter-Bewegung auch „Pottpoet“ genannt wurde. Außerdem: Rheinpreußensiedlung in Duisburg, Anti-Atomkraft-Bewegung, Hausbesetzer*innen-Szene.

Bauermeister, Mary

*1934 in Frankfurt am Main, †2023 in Bergisch Gladbach.
Deutsche Künstlerin, die vor allem für ihre experimentellen bzw. interdisziplinären Beiträge zur Fluxus-Bewegung bekannt ist. Indem sie Elemente der Malerei, der Skulptur, der Installation und der Performance in ihren Werken kombiniert, trägt sie maßgeblich zur Erweiterung der Grenzen traditioneller Kunstformen bei.

Beckmann, Max

*1884 in Leipzig, †1950 in New York City.
Oft mit dem Expressionismus assoziierter Maler und Bildhauer, dessen wegweisendes Schaffen jedoch weitaus vielseitiger ist und Elemente des Realismus, Symbolismus und der Neuen Sachlichkeit vereint. Für sein malerisches Werk typisch ist dessen düstere Atmosphäre, die nicht zuletzt von den Umbrüchen und Krisen ihrer Entstehungszeit - insbesondere den beiden Weltkriegen - zeugt.

Beuys, Joseph

*1921 in Krefeld, †1986 in Düsseldorf.
Deutscher Künstler, Aktivist und Hochschullehrer, der durch die Verquickung von Malerei, Skulptur, Performance, Installation und Zeichnung die Happening- und Fluxus-Bewegung maßgeblich begründet und weitreichend prägt. Beuys, der seine künstlerische Arbeit stets auch als politisches Engagement verstanden wissen wollte, ist heute vor allem für sein Konzept der "Sozialen Plastik", das Kunst als Instrument für gesellschaftliche Veränderung begreift, und sein provokantes und vielzitiertes Diktum "Jeder Mensch ist ein Künstler" bekannt.

Böll, Heinrich

*1917 in Köln, †1985 in Kreuznach.
Schriftsteller, 1972 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Brandt, Willy

*1913 in Lübeck, †1992 in Unkel bei Bonn.
Brandt war von 1969 bis 1974 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1966 war Brandt Vizekanzler und Außenminister.

Brieden, Heinz

* 1927, †2021 in Oberhausen.
Bildhauer und politischer Aktivist. Mitbegründer der Sozialistischen Arbeiterjugend und des soziokulturellen Zentrums „Fabrik K14“. Arbeitskreis Oberhausener Künstler. Naturfreunde.

Brock, Bazon

*1936 in Stolp, Pommern.
Bazon (eigentlich Jürgen Johannes Hermann) Brock gehört zu den Wegbereitern und prägendsten Persönlichkeiten der Aktionskunst (insbesondere der Fluxus-Bewegung) und des experimentellen Theaters. Sein künstlerisches Engagement gilt nicht zuletzt der Förderung kritischer wie gesamtgesellschaftlicher Diskussionen über den Nexus Kunst-Politik.

Büscher, Josef

*1918 Sterkrade, †1983 Gelsenkirchen.
Schriftsteller, Hauer, Angestellter. Gründungsmitglied der literarischen Dortmunder Gruppe 61, die er 1966 verließ. 1970 Gründungsmitglied des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt

C

Calder, Alexander

*1898 in Lawnton, Pennsylvania, †1976 in New York.
US-amerikanischer Bildhauer des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine kinetischen Skulpturen, die Erfindung des Mobiles und seine Rolle bei der Entwicklung der abstrakten Kunst. Er war ein Pionier in der Verwendung von Draht und Blech für dreidimensionale Kunstwerke und schuf Werke, die vor allem durch das Zusammenspiel von Bewegung und Balance bestechen.

Cocteau, Jean

*1889 in Maisons-Laffitte, †1963 in Milly-la-Forêt.
Nicht zuletzt durch seine Vielseitigkeit und Interdisziplinarität gilt der französische Schriftsteller, Regisseur und Maler Jean Cocteau als eine Schlüsselfigur in der europäischen Avantgarde-Kunstszene des 20. Jahrhunderts. Nennenswert sind hier vor allem seine Beiträge zum Surrealismus oder zum Nouveau Roman.

D

Diederich, Ellen

* 26. März 1944, Dortmund.
Zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Fasia Jansen unterstützte sie die Frauenfriedensbewegung und den Arbeitskampf der Frauen im Ruhrgebiet. In Oberhausen bauten sie das „Internationale FrauenFriedensArchiv Fasia Jansen“ auf.

Dix, Otto

*1891 in Untermhaus (Gera), †1969 in Singen am Hohentwiel.
Deutscher Maler und Grafiker, aus dessen vielseitigem Œuvre heute zumeist die Arbeiten der Neuen Sachlichkeit bekannt sind. In diesen realistisch-verstörenden Darstellungen des alltäglichen Lebens im Deutschland der Weimarer Republik und der nationalsozialistischen Diktatur spiegeln seine Bilder oft die Grausamkeit des Krieges, die soziale Ungerechtigkeit und die Zerstörung der menschlichen Würde wider.

documenta

Eine seit 1955 alle 5 Jahre stattfindende Großausstellung zeitgenössischer Kunst in Kassel, die nach einem Aufarbeitungsimpuls der nationalsozialistischen Vergangenheit zu einem international anerkannten Forum der jeweils aktuellen, an gesetzten Themenschwerpunkten orientierten und den Globus umfassenden Kunst avanciert.

Dortmunder Gruppe 61

Die Dortmunder Gruppe 61 diskutierte seit 1961 darüber, wie sich die Arbeitswelt in der Gegenwartsliteratur darstellen lässt.

DRP

Deutsche Reichspartei war eine rechtsextreme Partei zwischen 1950 und 1965, in der sich ehemalige Nationalsozialist*innen organisierten. Viele der Gründer*innen waren bereits Mitglied der NSDAP und orientierten sich weiterhin politisch an der NS-Ideologie.

Düsseldorfer Debatte

Zeitschrift, erschien von 1984-1988 monatlich in Düsseldorf, herausgegeben von Michael Benn, Peter Maiwald, Thomas Neumann.

E

Entspannungspolitik

In Bezug auf die deutsch-deutschen Beziehungen während des Kalten Krieges wurde die Entspannungspolitik Anfang der 1970er Jahre von Willy Brandt in Gestalt der Ostverträge, einer Gewaltverzichtserklärung sowie des Grundlagenvertrages mit der DDR im Jahr 1972 initiiert.

F

Förster, Otto H.

*1894 in Nürnberg, † 1975 in Köln.
Direktor des Wallraf-Richartz-Museum Köln in den Zeiträumen 1933 bis 1945 und 1957 bis 1960, sowie Generaldirektor der Kölner Museen 1957 bis 1960.

Wenn das Wallraf-Richartz-Museum auf Otto Förster zu sprechen kommt, heißt es beispielweise: „Unter Direktor Otto Förster wird im Jahr 1936 die Sammlung Carstanjen erworben. Mit wertvollen Werken von Rembrandt und Frans Hals ist nun der Grundstein für den Aufbau einer Galerie von europäischem Rang gelegt. […] Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Wallraf-Richartz-Museums vereint Förster alle bis dahin der Wissenschaft bekannten Werke des Kölner Meisters in einer Sonderschau.“ Quelle (Stand: 20.06.2023).

Was nicht erwähnt wird und auch seiner Wiederernennung im Jahr 1957 offensichtlich nicht im Weg gestanden hat, ist die Tatsache, dass er aus dem Fundus des Museums zahlreiche Werke verkauft, um gezielt und systematisch (u. a. mit Unterstützung von Hildebrand Gurlitt) Raubkunst zu ‚erwerben.‘ Ein solches Verhalten lässt nur den einen Schluss zu, dass sich seine Amtszeit von 1933 bis 1945 einer ideologischen Homogenität zum herrschenden System verdankt.
„Während des Zweiten Weltkriegs verkaufte er Werke aus der eigenen Sammlung, um bedeutendere Kunstwerke in den besetzten Niederlanden u. Frankreich zu erwerben. Diese wurde nach dem Krieg von den US-Truppen beschlagnahmt u. zurückgegeben.“ 1

Frankfurter Dokumente

Von den westlichen Siegermächten am 01. Juli 1948 in Frankfurt am Main übergebene Dokumente, die den Auftrag an die deutschen Ministerpräsidenten enthalten, einen „Weststaat“ zu gründen, der sich vom östlichen Teil Deutschlands, der unter die Besatzungshoheit der Sowjetunion fällt, politisch, das heißt: demokratisch abgrenzt.

Fresh, Eko

*1983 in Köln.
Deutscher Rapper. Sein Vater ist der türkische Musiker Nedim Hazar, der 1980 als politischer Flüchtling nach Deutschland kam und als Musikkabarattist und später Dokumentarfilmer bekannt wurde.

G

Graue Literatur

Nicht in kommerziellen Verlagen veröffentlichtes Material, zum Beispiel Fanzines, Handzettel, Programmhefte, Manifeste.

H

HERstory

Feministisches Pendant zur weitgehend heterosexuell, männlich orientierten Geschichtsforschung (History). Ziel war die Sichtbarmachung von Leben und Wirken historischer Frauen.

Hiob, Hanne

*1923 in München, †2009 München.
Schauspielerin. Tochter vom Schriftsteller Bertolt Brecht und der Schauspielerin Marianne Zoff. Seit Ende der Bühnenlaufbahn mit Brecht-Lesungen unterwegs.

I

Initiative Musik Wanne-Eickel e.V.

Heute Initiative Musik & Kunst Wanne-Eickel. Gegründet 1977, von Karl-Heinz Blohmann, Peter Habermehl, Rainer Pokladek, Jürgen Grislawski für Plakate und Kunsts. Mit dem Ziel der „Förderung junger Musiker, konstruktive Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Initiativen, Anmietung eines Treffpunktes zum Austausch“. Die Musiker organisierten u.a. die Musikwerkstatt der Jugend-Kunst-Schule und Big Band Gymnasium Eickel. Die Veranstaltungen häufig kombinierten Musik und Kunstausstellungen, wie z.B. beim Musik + Bilder Festival 1979.

J

Jansen, Fasia

*1929 in Hamburg, †1997 in Oberhausen.
Afrodeutsche Überlebende von Zwangsarbeit im NS, Liedermacherin und Friedensaktivistin. Sie unterstützte die Ostermarschbewegung, die Frauenfriedensbewegung und diverse Arbeitskämpfe von Frauen im Ruhrgebiet. Ihr Nachlass befindet sich heute im Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg und im Fritz-Hüser-Institut in Dortmund.

K

Kassiber-Publikationen

Laut Duden handelt es sich um ein „heimliches Schreiben oder unerlaubte schriftliche Mitteilung eines Häftlings an einen anderen oder an Außenstehende.“ Im vorliegenden Fall sind jene Schriften gemeint, deren Manuskripte entweder zwecks Veröffentlichung in den Westen geschleust oder aber die Westpublikationen, die im Osten entgegen dem offiziellen Kulturkanon gelesen werden.

Kiesinger, Kurt Georg

*1904 in Ebingen, †1988 in Tübingen.
Kiesinger war von 1966 bis 1969 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Kirchner, Ernst Ludwig

*1880 in Aschaffenburg, †1938 in Frauenkirch-Wildboden (Davos).
Deutscher Maler und Mitbegründer der expressionistischen Künstlergruppe „Die Brücke“. Kirchner ist bekannt für seine kraftvollen, expressiven und oft farbenfrohen Gemälde, die die urbanen Landschaften und das moderne Leben des frühen 20. Jahrhunderts reflektieren und Pionierarbeiten für den Expressionismus darstellen. Die unklaren Umstände des mutmaßlichen Suizids des später von den Nationalsozialisten als 'entartet' diffamierten Künstlers sind bis heute Gegenstand von Spekulationen. In jüngerer Zeit zunehmend kritisch hinterfragt wird die Art seiner Beziehung zu dem Kindermodell Lina Franziska Fehrmann (1900-1950).

Klee, Paul

*1879 in Münchenbuchsee (Bern), †1940 in Muralto (Tessin).
Schweizerisch-deutscher Maler und Kunsttheoretiker, der für seine kreative Verwendung von Farbe und Linie bekannt ist. Klee war einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, Kubismus und Surrealismus zugleich, wobei sich sein epochaler Einfluss auf die Kunst des 20. Jahrhunderts sicher nicht zuletzt seiner Rolle als Professor am Bauhaus in Weimar und Dessau sowie an der Kunstakademie Düsseldorf verdankt.

Klophaus, Ute

*1940 in Wuppertal, †2010 ebd.
Deutsche Fotografin, deren Arbeit als wichtigste und umfangreichste Dokumentation der nachkriegszeitlichen Avantgarde-Kunstszene und insbesondere der Fluxus-Bewegung gilt. Bekannt ist sie heute vor allem durch ihre Arbeitbeziehung zu Joseph Beuys, dessen Werk sie von 1965 bis zu seinem Tod intensiv dokumentierte. Damit verhalf sie Beuys nicht nur maßgeblich zu dessen Popularität, sondern prägte dessen Œuvre durch die fotografische Vermittlung nicht zuletzt mit.

Kowski, Hilde

† 2015 in Oberhausen.
Oberhausener Künstlerin, Tochter des Oberhausener Malers Erwin Kowski (1896-1983). Mitbegründerin des soziokulturellen Zentrums „Fabrik K14“ in Oberhausen.

Kraftwerk

Die Band Kraftwerk formierte sich 1970 in Düsseldorf unter Ralf Hütter und Florian Schneider und zählt heute zu den Pionieren der elektronischen Musik. Ihr cleanes Erscheinungsbild und steifes Auftreten spielte mit dem Stereotyp des ordentlichen und emotionslosen Deutschen in einer technologisierten Welt. Mit ihrer multimedialen Performance, in der sie Video, Computeranimation und Lasershow kombinierten, erlangten sie internationale Bekanntheit. Zu ihren bekanntesten Liedern gehören „Das Model“, „Die Roboter“ und „Trans Europa Express“.

Kurowski, Walter

*1939 in Kettwig, †2017 in Oberhausen.
Auch bekannt als „Kuro“, Künstler und Jazz-Musiker. Mitbegründer des soziokulturellen Zentrums „Fabrik K14“ in Oberhausen. Arbeitskreis Oberhausener Künstler. Mit seiner Frau Inge Kreuzenbeck gründet er das Jazz-Karussell in der Werkstatt Eisenheim.

Kurylewicz, Andrzej

*1932 in Lemberg, †2007 in Konstancin-Jeziorna.
Pionier des polnischen Jazz. 1954 war der Jazz in Polen kurzzeitig verboten und Kurylewicz erlangte Bekanntheit im Westen. 1957 gewann er als erster Musiker außerhalb des eisernen Vorhangs den ersten Preis des Stuttgart Jazz Festivals.

L

Le Corbusier

*1887 in La Chaux-de-Fonds, Schweiz, † 1965 in Roquebrune-Cap-Martin, Frankreich.
Durch seine rationalistische Architekturtheorie, die er in der für ihn charakteristisch unverblümten Betonbauweise (Brutalismus) realisiert, hat Le Corbusier (eigentlich Charles-Édouard Jeanneret-Gris) die Architektur des 20. Jahrhundert wie kaum ein anderer geprägt. Prekär bleibt bis heute sein eindeutig nachgewiesenes Sympathieverhältnis zum Faschismus in Italien und Frankreich sowie zum Nationalsozialismus in Deutschland.

Lübke, Heinrich

*1894 in Enkhausen/Sauerland, †1972 in Bonn.
Politiker der Zentrumspartei, später der CDU. 1939 - 45 Mitarbeiter des Berliner Architekten- und Ingenieurbüros von Walter Schlempp. Zwar wurde er 1935 von den Nationalsozialisten verhaftet, jedoch war er als Bauleiter 1943 - 45 für den Einsatz von KZ-Häftlingen zur Zwangsarbeit in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde verantwortlich. 1953 bis 1959 war er Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. 1959 bis 1969 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

M

Macke, August

*1887 in Meschede (Sauerland), †1914 in Perthes-lès-Hurlus (Champagne).
Zunächst stark dem Impressionismus verpflichtet entwickelt sich August Macke zu einem der bedeutendsten Maler des Expressionismus, der die Publikationen des „Blauen Reiters“ wesentlich prägt. Trotz des tragischen Endes seiner vielversprechenden Karriere durch seinen frühen Tod im Ersten Weltkrieg ist sein Einfluss auf die Kunstgeschichte heute schwer zu überschätzen.

Meinhof, Ulrike

*1934 in Oldenburg, †1976 in Stuttgart.
Ulrike Meinhof war Journalistin und Gründungsmitglied der Roten Armee Fraktion (RAF), sie war von 1960 bis 1964 Chefredakteurin der linksradikalen Zeitschrift „konkret“ und Teil der Neuen Frauenbewegung. Die gemeinsame mit Gudrun Ensslin durchgeführte gewaltsame Befreiung von Andreas Baader 1970 gilt als Beginn der RAF, zunächst als Baader-Meinhof-Gruppe betitelt. Judith Kuckart hat bereits in ihrem ersten Roman „Wahl der Waffen“ (S. Fischer, 1990) die Geschichte der RAF aufgegriffen.

Michallek, Max

*1922 in Dortmund; †1985 ebd.
Max Michallek ist am Borsigplatz in Dortmund aufgewachsen und spielte bereits in seiner Jugend bei Borussia Dortmund. 1956/57 war er Teil der sogenannten „Meisterelf“. Er setzte sich später für die Förderung von Jugendsport und die Erhaltung lokaler Bolzplätze ein.

Moormann, Charlotte

1933 in Little Rock, Arkansas, †1991 in New York.
US-amerikanische Cellistin und Performancekünstlerin, die für ihre Zusammenarbeit mit Avantgarde-Komponist*innen und ihre innovativ-provokante Pionierarbeit in der Fluxus-Bewegung bekannt ist. Ihre Bedeutung liegt nicht zuletzt in ihrem Beitrag zur Entwicklung neuer Formen der Musik- und Kunstperformance sowie in ihrer Rolle als Wegbereiterin für Frauen in der avantgardistischen Kunstszene.

N

Nesin, Aziz

*1915 in Istanbul, Türkei †1995 in İzmir, Türkei.
Schriftsteller, Satiriker und Aktivist. In der Türkei unterlagen seine Werke der Zensur, Nesin wurde als Unterstützer der Intellektuellenbewegung gegen den Militärputsch zur Zielscheibe nationalistischer und fundamentalistischer Kritiker*innen.

Neue Soziale Bewegungen

Der Begriff „Neue Soziale Bewegungen“ wird erst in den 1980er Jahren geprägt. Er bezeichnet die politischen und sozialen Strömungen, die sich mit der 68er-Revolte und ihrer angestrebten Kulturrevolution herausgebildet haben. Thematische Schwerpunkte sind zum Beispiel Menschenrechte, Umwelt und Nachhaltigkeit, Atomenergie, Frieden und Abrüstung, bezahlbarer Wohnraum und weitere. Als „alte soziale Bewegungen“ werden hingegen die Arbeiter*innenbewegung und erste Frauenbewegung bezeichnet, deren Ursprünge im 19. Jahrhundert liegen.

NPD

Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands wurde 1964 als rechtsextreme Partei in der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Seit 2023 agiert sie unter dem Namen „Die Heimat“.

P

Paik, Nam June

*1932 in Seoul, †2006 in Miami Beach.
Koreanisch-amerikanischer Fluxus-Pionier, der die Videokunst als eigenständige Kunstform etabliert und damit zugleich die zeitgenössische Medienkunst mitbegründet. Charakteristisch für seine Arbeiten, die Paik eine Schlüsselrolle in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts einräumen, ist die experimentelle Nutzung von Fernsehgeräten und anderen elektronischen Geräten.

Platane, Bonn

Im Park des Palais Schaumburg steht eine große Platane, die etwa 155 Jahre alt ist. Am 5. Juli 1967 wurde die Sitzung des Kabinetts Kiesinger unter die Platane verlegt, um der Hitze in den Innenräumen auszuweichen.

postcolonial studies

Die Postkolonialen Studien entwickeln sich in den 1980er Jahren in den USA, sie erkunden interdisziplinär und multiperspektivisch Leerstellen unterschiedlicher Forschungsfelder, die lange Zeit weiß und westzentrisch geprägt waren. Sie untersuchen die Effekte von Kolonialisierungs- und Entkolonialisierungsprozessen in der globalen Welt. Beispielhafte Theoretiker*innen: Edward Said, Homi Bhabha, Frantz Fanon, bell hooks.

R

Riesenhuber, Heinz

*1935 in Frankfurt/Main.
CDU-Politiker. 1976-2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. 1982-1993 Bundesminister für Forschung und Technologie unter Helmut Kohl.

Ş

Şahin, Necati

*1955 in Çorum, Türkei.
Lehrer, Schauspieler, Theatermacher. Lebt und arbeitet seit 1975 in Deutschland. Gründer des Arkadaş-Theaters in Köln.

S

Sartre, Jean-Paul

*1905 in Paris, †1980 ebd.
Französischer Philosoph, Autor und politischer Aktivist, der als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts gilt. Als Romancier ist er vor allem für seine Werke „Der Ekel“ und „Die Fliegen“ bzw. als Dramatiker für das Stück „Geschlossene Gesellschaft“ bekannt. Den Literaturnobelpreis lehnt er 1964 ab. Seine philosophiegeschichtliche Bedeutung liegt vor allem in seiner Rolle als Begründer und führender Vertreter des Existentialismus, der die Freiheit des Menschen und die damit einhergehende Verantwortlichkeit für das eigene Schicksal in den Mittelpunkt stellt. Als engagierter Intellektueller brachte er sich aktiv in politische Debatten ein und setzte sich für soziale Gerechtigkeit ein, wobei seine zeitweiligen Sympathien für den Maoismus und die Befürwortung politischer Gewalt bis heute Gegenstand der Kritik sind.

Schmit, Tomas

*1943 in Wipperfürth, †2006 in Berlin.
Mitbegründer der Fluxus-Bewegung in Deutschland, die er durch den persönlichen Kontakt mit Nam June Paik und George Maciunas kennenlernt. Über mehrere Jahrzehnte bleibt Schmit einer der prägendsten Protagonist der Bewegung, der an nahezu allen namhaften Fluxus-Events Europas mitwirkt.

Soziokulturelle Zentren

Soziokulturelle Zentren entstanden Anfang der 1970er Jahre im Zuge der Neuen Sozialen Bewegungen und verschrieben sich der Demokratisierung von Kultur und Bildung, an der alle Bürger*innen die Möglichkeit bekommen sollten, unabhängig von finanziellem Status, Herkunft, Religion und Bildungsgrad, teilhaben zu können. Hierfür wurden häufig leerstehende Wohnhäuser oder Fabrikgebäude besetzt, die schließlich selbstständig renoviert und autonom verwaltet wurden.

T

Tajiri, Shinkichi

*1923 in Los Angeles, †2009 in Baarlo.
Niederländisch-amerikanischer Bildhauer und Maler japanischer Herkunft, der für seine abstrakten Skulpturen und Installationen bekannt ist. Für Tajiris Arbeiten, die nicht selten von seiner Beschäftigung mit dem Verhältnis von Bewegung und Raum zeugen, ist ihre dynamische Formgebung charakteristisch.

Tamms, Friedrich

*1904 in Schwerin, †1980 in Düsseldorf.
Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer. AlsLeiter des Stadtplanungsamtes und Baudezernent zeigte sich Tamms besonders für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Düsseldorfs in den 1950er und 60er Jahren verantwortlich. Maßgeblich war für diesen, das in den Nachkriegsjahren florierende Urbanitätskonzept einer autogerechten Stadt als Stadt der Zukunft, das sich u.a. in der durch den Kennedydamm gesetzten Nord-Süd-Achse, der Düsseldorfer Brückenfamilie und der Hochstraße Tausendfüßler niederschlägt. An der NS-Vergangenheit der dafür beauftragten Architekten, die ihre Karrieren nicht weniger nahtlos fortsetzen konnten, als der unter Albert Speer aufgestiegene Tamms, entzündete sich Anfang der 1950er-Jahre Widerstand an dessen Wiederaufbauplänen durch eine Riege junger Architekten, die sich als Architektenkreis Düsseldorf formierten.

Tucholsky, Kurt

*1890 in Berlin, †1935 in Göteborg/SWE.
Literatur- und Theaterkritiker, Schriftsteller und Pazifist. 1933 wurde er ausgebürgert und seine Werke verboten und verbrannt.

Ü

Ülgen, Meray

*1941 in Akşehir, Türkei.
Autor, Regisseur, Schauspieler, Karikaturist. Lebt seit 1972 in Deutschland und war an diversen deutsch-türkischen Theatergründungen beteiligt: Berlin Oyuncuları (1976), Tiyatrom (1984, Berlin), Arkadaş (1986), Wupper-Theater (1991).

V

Vostell, Wolf

*1932 in Leverkusen, †1998 in Berlin.
Deutscher Pionier der Fluxus-Bewegung und der Happening-Kunst, der vor allem für seine Décollagen und das Einbetonieren - insbesondere von Autos - bekannt ist. Mit seinem multimedialen Kunstbegriff gilt er zugleich als Wegbereiter und Hauptvertreter der Installations- und Videokunst sowie des Environments.

W

Weltladen

Im Weltladen werden faire Produkte aus dem Globalen Süden verkauft, der Ertrag kommt den Produzierenden zugute. Die Weltladenbewegung setzte in Deutschland in den 1970er Jahren ein und wurde vor allem wegen der Kampagne „Jute statt Plastik“ bekannt.

Wiechert, Ernst

*1887 in Kleinort (heute Piersławek, PL), †1950 in Uerikon, CH.
Lehrer und Schriftsteller. Wiechert erlebte beide Weltkriege, den 1. als Soldat, den 2. zunächst kritisch, dann leiser in der inneren Emigration. Wiechert gehörte einst zu den meistgelesenen deutschen Autor*innen. Mit „Totenwald“ (1946) veröffentlichte er sein bekanntestes Werk, in dem er von seinem Aufenthalt im KZ Buchenwald prosaisch berichtet.