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Galerie Parnass

Leon Adolphs, Moderne im Rheinland

Galerie Parnass
  • 1949–1965
  • Gesellschaft
  • Kultur
  • Wuppertal
  • Gegenkultur
  • Kunst
  • Verlorene Orte

Die Anfänge der Galerie Parnass, die innerhalb weniger Jahre zum Zentrum rheinischer Avantgardekunst avanciert und nach mehreren Umzügen innerhalb Wuppertals die Jugendstil-Villa in der Moltkestraße 67 bezieht, sind bescheiden:

So eröffnet der Architekt Rolf Jährling (1913-1991) nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1949 sein Büro im Dachgeschoss eines noch kriegszerstörten Fabrikgebäudes, in dem er – schon vor dem Krieg an der klassischen und während der NS-Herrschaft als „entartet“ diffamierten Kunst der Moderne interessiert – zunächst Ausstellungen zu Macke, Kirchner, Klee, Dix und Beckmann organisiert. Progressiven Künstlerinnen der eigenen Generation nicht weniger aufgeschlossen, zeigt sich der Wahlwuppertaler darüber hinaus von Beginn an bemüht, auch diesen mit der anfangs noch „Parnass, drei Treppen hoch“ getauften Galerie ein bald schon regional bekanntes Forum zu schaffen. Dass Jährling bildende und darstellende Kunst denselben Rang einräumt, zeigt sich schon darin, dass er bereits Anfang der 1950er Jahre deutsche Erstausstellungen von Le Corbusier, Alexander Calder oder Shinkichi Tajiri mit den deutschen Uraufführungen von Sartre- und Cocteau-Stücken verbindet.

Insbesondere der intensiven Zusammenarbeit mit dem Fluxus-Pionier Nam June Paik verdankt es sich, dass sich Jährlings kuratorische Offenheit in den folgenden Jahren auch auf die zeitgenössische Experimentalmusik und Performances ausweitet. Das Bedürfnis, die klassische Moderne der 20er und 30er Jahre für Deutschland nachzuholen weicht zusehendes dem Aufbegehren auch gegen deren Konventionen. Bald schon wird die mittlerweile durch Jährling und seine Frau Anneliese gleichermaßen geleitete Galerie neben der Düsseldorfer Galerie 22 von einer Keimzelle zu einem Zentrum der Fluxus- und Happening-Bewegung in Deutschland, das neben Paik namhafte Szenegrößen wie Joseph Beuys, Mary Bauermeister, Wolf Vostell, Charlotte Moormann oder Bazon Brock zu ihren regelmäßigen Akteur*innen zählt. Im Sommer 1965 beschließen Rolf und Anneliese Jährling das Ende ihrer Galerie, um für zehn Jahre nach Äthiopien auszuwandern. Das Abschlussevent, das von Beuys, Brock, Moormann, Paik, Vostell, Eckart Rahn und dem Konzeptkünstler Tomas Schmit in je einem Raum der Villa bespielte und der Fotografin Ute Klophaus eindrucksvoll dokumentiere 24-Stunden-Happening, wird ein spektakulärer Meilenstein der Bewegung. Nach der Rückkehr aus Afrika, Fluxus und Happening haben ihren Zenit nunmehr lange überschritten, nehmen Rolf und Annelise Jährling ihre galeristische Tätigkeit nicht wieder auf.

Weiterführende Literatur und Links
  • Baltzer, Will u. Biermann, Alfons W. (Hrsg.): Treffpunkt Parnass Wuppertal: 1949-1965 (Schriften des Rheinischen Museumsamtes 11), Köln/Bonn 1980
  • Weibel, Peter (Hrsg.): Beuys Brock Vostell. Aktion Demonstration Partizipation 1949-1983, Ostfildern 2016, S. 170 ff.
  • Schütz, Sabine: Interview mit Rolf Jährling, In: Honnef, Klaus u. Schmidt, Hans M. (Hrsg.): Aus den Trümmern. Kunst und Kultur im Rheinland und in Westfalen. 1945-1952: Neubeginn und Kontinuität, Köln 1985, S. 505 ff.

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