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Fabrik K14 - ein soziokulturelles Zentrum

Angelika Gwóźdź, Moderne im Rheinland

Links zeigt eine Zeitung. Der Titelkopf besteht aus einem stilisierten roten Fabrigebäude mit gewelltem Dach und einem Schornstein, der in einer Faust endet. Darüber der Schriftzug "Fabrik Zeitung". Darunter in einem roten Kasten eine Karikatur, in der ein Krokodil, stellvertretend für einen Monopoliten, eine kleinere Fabrik auffrisst und die Arbeiter*innen wieder ausscheidet. Rechts ein Holzschnitt mit schwarzer Farbe auf weißem Grund. Abgebildet ein Gesicht mit weit aufgerissenen Augen, die ausgemergelten Hände hält die Figur vor dem Gesicht. Am rechten unteren Bildrand behelmte Schemen, die mit einem Knüppel zum Schlag ausholen.

Links: Fabrik-Zeitung mit Karikatur von Walter Kurowski. Rechts: Handsignierter Holzschnitt des spanischen Malers Miguel Garcia Villaescusa aus Heft 8/1977.

Foto: Archiv für Alternatives Schrifttum.
  • 1969
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Die 1965 gegründete Fabrik K14 gehört zu den ältesten, noch erhaltenen soziokulturellen Zentren in Deutschland. Mit der Förderung von politischer Bildung wollten die Aktivist*innen ein Zeichen gegen den wieder aufkeimenden Neofaschismus setzen. Der Ort entwickelte sich zu einem Knotenpunkt der Neuen Sozialen Bewegungen in Oberhausen und darüber hinaus.

Das namensgebende "K14" leitet sich ab aus dem umgedrehten Akronym des "14. Kommissariats", der Abteilung für "Politische Kriminalität" der Kriminalpolizei, die auch die Aktivitäten des Vereins unter Beobachtung stellen wird. 1969 wurde der Verein "K 14 - Verein zur Förderung politischer Bildung e.V." in einem Wohnhaus gegründet, der bis heute autonom und ehrenamtlich arbeitet. Zu den Mitbegründer*innen zählen die Künstler*innen Heinz und Frau Ingrid Brieden, Walter „Kuro“ Kurowski, Brigitte und Hans-Peter Auler, Manfred Kugelmann (VNN-BdA Oberhausen ), Hilde Kowski, Rolf Kempkes (Anti-Atom-Aktivist) und der Pfarrer Will Adam (Mitbegründer des Oberhausener Friedensdorfes) – politische Aktivist*innen treffen auf Künstler*innen des Arbeitskreises Oberhausener Künstler.

Der Beiname „Fabrik“ wird nach dem Umzug 1971 auf das leerstehende Fabrikgelände der Dreherei Locher in der Lothringer Straße hinzugefügt und markiert das Zentrum seitdem identitätsstiftend nicht nur als Ort des Kulturkonsums, sondern auch als Ort der Kulturproduktion in Form von Lesungen, Konzerten, Diskussionsrunden, Theateraufführungen und vielem mehr. Das Framing markiert die Öffnung für Bevölkerungsgruppen, unabhängig von Bildungsgrad, Geschlecht, Hautfarbe und Nation, zur selbstbestimmten Organisation und Kommunikation.

Die Fabrik K14 wurde zum Zufluchtsort: 1973 fanden chilenische Geflüchtete Zuflucht (u.a. mit Unterstützung von Luise Albertz), die darunter befindlichen Künstler*innen wurden durch den Verkauf von Kunstmappen unterstützt. Aber auch Kulturschaffende, denen von lokalen Politiker*innen behindert wurden, wie zum Beispiel die Kinder- und Jugendtheatergruppe „Rote Grütze“ aus Berlin, die Hausverbot im städtischen Theater erhielt, da sie sich in ihrem Aufklärungsstück einer, so der damalige Kulturdezernent Herman Oesterwind, unangemessenen Sprache bedienten. Im Impuls der Kinderladenbewegung wurde im K14 ein alternatives selbstverwaltetes Betreuungsmodell aufgebaut.

Unter dem Dach der Fabrik trafen sich unterschiedliche Spektren und Akteur*innen der Neuen Sozialen Bewegung, die von hier aus Einzug in die Landesgeschichte finden sollten. Unter der Leitung von Inge Kreuzenbeck, damalige Lebensgefährtin des Künstlers und Musikers Walter Kurowski, traf sich ein Arbeitskreis, um die Erinnerung an die Widerstandskämpfer*innen gegen den NS aufzuarbeiten. Seine Aktivist*innen waren später am Aufbau der Gedenkhalle in Oberhausen beteiligt sein. In den Räumen ließ sich der ASSO-Verlag von Anna Althoff und Annemarie Stern nieder, der sich der Arbeiter*innen- und Dokumentarliteratur widmete. Ihre langjährige Freundschaft und gemeinsame Arbeit mit Fasia Jansen führte dazu, dass das „Internationale Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen e.V.“, 1991 von Jansen und Ellen Diederich gegründet, in die Fabrik einzog. Untrennbar mit dem Archiv verbunden war der Weltladen „4 Himmelsrichtungen“. Nach dem Tod von Fasia Jansen 1998 gehören Althoff, Stern und die Fabrik K14 mit weiteren Weggefährt*innen zu den Gründungsmitgliedern der Fasia-Jansen-Stiftung. Der Nachlass wurde ins Fritz-Hüser-Institut und das Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen e.V. an das afas übergeben.

Autonom und stets kritisch wurde die Fabrik K 14 zur Heimat für linke Politik, Kunst und Kultur, für Aktivist*innen der Frauenfriedensbewegung, der Friedensbewegung, der Kinderladenbewegung, für Erinnerungsarbeit, Diskussionen, Lesungen, Arbeiter*innenliteratur, Jazz, politische Bildung, Gegenöffentlichkeit und antifaschistische Aufklärungsarbeit.

Weiterführende Literatur und Links
  • Website der Fabrik K14 - Link
  • Die gleichnamige Zeitschrift "Fabrik K14" wurde vom afas im Januar 2018 als Fundstück des Monats vorgestellt. - Link
  • Bundesverband Soziokultur: Geschichte der Soziokultur. - Link
  • Ellen Diederich: Internationales Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen e.V. In: Jürgen Bacia / Cornelia Wenzel: Bewegung Bewahren. Freie Archive und die Geschichte von unten. Berlin: Archiv der Jugendkulturen Verlag KG 2013, S. 195-203.
  • Roland Günter / Rolf Joachim Rutzen: Kulturkatalog. alternative Kulturpraxis. Hamburg 1979.
  • Roland Günter: Das unbekannte Oberhausen. - Link
  • Ulli Langenbrinck: zum tod von anneliese „anna“ althoff. In: Literaturgebiet Ruhr, o.D. - Link
  • Klaus Oberschewen: Das K14: Links und Frei!. Interview mit Walter Kurowski und Heinz Brieden. In: Magnus Dellwig / Peter Langer: Oberhausen. Eine Stadtgeschichte im Ruhrgebiet, Bd. 4, Oberhausen 2014.
  • Uta C. Schmidt: Fasia Jansen. In: frauen/ruhr/geschichte. - Link
  • Michael Sturm: "Eine immerwährende Auseinandersetzung". Katalogbuch der Gedenkhalle Oberhausen. In: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes : Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, veröffentlicht am 23.01.2013. - Link
  • Gustav Wentz: Das älteste soziokulturelle Zentrum der BRD wird 50 Jahre alt. In: NRZ, veröffentlicht am 03.05.2019. - Link
  • Gustav Wentz: Genosse Lenin trägt ´ne Pappkrone. In: Das Oberhausener Jahrbuch, 30. Jg. 2013, S. 47-50. - Link