Archiv für alternatives Schrifttum
Angelika Gwóźdź, Moderne im Rheinland
- 1985
- Gesellschaft
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- Politik
- Duisburg
- Aktivismus
- Bedrohte Orte
- Erinnerungskultur
- Institutionsgeschichte
- Gegenkultur
Das Archiv für alternatives Schrifttum (afas) wurde 1985 in Duisburg gegründet, um Spuren der Bewegungsgeschichte vor dem Vergessen und dem Verlust zu bewahren. Das afas und die Erinnerung an Demokratisierungsprozesse von unten gehören zu den bedrohten Orten.
Als Aktivist*innen der Neuen Sozialen Bewegungen sich mit der Geschichte von früheren Bewegungen, wie der ersten Frauenbewegung, beschäftigen, werden sie sich der Vergänglichkeit ihrer Arbeit bewusst. Quellen können sie nur mühselig zusammentragen, denn die Materialien des oft staatskritischen Protests haben keinen Eingang in konventionellen Archive und Bibliotheken gefunden. Bisher entstanden Bibliotheken und Handapparate in den Infoläden, Büros und linken Räumen eher zufällig und improvisiert, mit undokumentiertem Leihverkehr und damit einhergehenden Verlusten. Der Wunsch, die eigenen Materialien zu bewahren und zu erhalten, äußert sich erst spät, in den 1980er Jahren liegt die „Studierendenbewegung“1 fast 20 Jahre zurück. Die Neuen Sozialen Bewegungen befinden sich mitten in ihrer Historisierung, die sie zum Teil selbst vorantreiben, denn die ersten Gruppen haben sich bereits aufgelöst, und mit ihnen drohen ihre Archive, ihre Materialien und auch ihr Wissen und ihre Erfahrungen verloren zu gehen.
So entsteht 1985 mit dem Archiv für alternatives Schrifttum ein bewegungsübergreifender Erinnerungsort, der sich der Archivierung und Bewahrung von Gegenkultur in Deutschland von 1945 bis in die Gegenwart widmet. Mit seiner Dokumentenvielfalt aus Nachlässen, Archiven von Initiativen und Redaktionen, Grauer Literatur, Buttons, bedruckten T-Shirts oder Transparenten ergänzt das unabhängige Archiv das Angebot öffentlicher Gedächtnisinstitutionen und weist auf deren Leerstellen hin. Wie andere Bewegungsarchive ist es Sammlung, Archiv und Bibliothek zugleich.
Obwohl das afas inzwischen auch in archivarischen Fachkreisen Anerkennung genießt, gehört es nach wie vor zu den bedrohten Orten. Die öffentliche Förderung schwankt, Personal kann nur über Projektmittel finanziert werden, die Expertise geht nach Projektende wieder verloren. Trotz der eigenen prekären Situation hat sich das afas als eine wichtige Anlaufstelle für Vor- und Nachlässe von aktiven Privatpersonen, aber auch von Initiativen und Organisationen erwiesen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Arbeit einstellen mussten. So befinden sich unter anderem seit 2011 das Archiv des Umweltzentrums Münster und seit 2021 das Frauen Friedensarchiv Fasia Jansen sowie das Archiv des Informationszentrum Dritte Welt (iz3w) im afas. Auch wenn soziale Bewegungen längst selbstverständlicher Forschungsgegenstand unterschiedlicher Disziplinen geworden sind, so gibt es bis heute keine zentrale, langfristig angelegte und finanziell abgesicherte Institution, die sich den Zeugnissen dieser Bewegungen widmet. Solange es Protestbewegungen gibt, braucht es Archive „von unten“, bevor ihr Gedächtnis abhandenkommt.
Weiterführende Literatur und Links
Fußnoten
- Obwohl die Bewegung durchaus nicht nur von Studierenden getragen wurde, so hält sich der Begriff weiterhin hartnäckig. Thomas Gerhards versucht sich in „Achtundsechzig als Problem der historischen Forschung und der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland“ (in: "Die Bonner Republik 1960-1975 - Aufbrüche vor und nach »1968«: Geschichte - Forschung - Diskurs", hrsg. v. Cepl-Kaufmann, Gertrude u. a., 2020, S. 7–26) an einer Begriffsdiskussion.
- Afas - Archiv für alternatives Schrifttum - Link
- Jürgen Bacia: 10 Jahre archiv für alternatives schrifttum (afas). 30 jahre druck von unten, Düsseldorf 1995.
- Jürgen Bacia / Cornelia Wenzel: Bewegung Bewahren. Freie Archive und die Geschichte von unten. Berlin: Archiv der Jugendkulturen Verlag KG 2013.
- Jürgen Bacia: Freie Archive als Gedächtnisorte der Neuen Sozialen Bewegungen. In: HJK, Quo vadis, archivum? Gedächtnisinstitutionen und Perspektiven der Wissensvermittlung, Nr. 12, 2020, S. 27-47. - Link
- Bernd Hüttner: Archive von unten. Bibliotheken und Archive der neuen sozialen Bewegungen und ihre Bestände, Neu-Ulm 2003.
- Arbeitskreis: Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. - Link
- Dachverband deutschsprachiger Lesben-/Frauenarchive,-bibliotheken und -dokumentationsstellen - Link
- Datenbank der Kooperation Dritte Welt Archive - Link
- Übersicht Freie Archive in Deutschland, 104 Archive Stand 12. Juni 2023 - Link
- Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V : Zur Zukunft der Archive von Protest-, Freiheits- und Emanzipationsbewegungen. Positionspapier zu den Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen. - Link
- Zentrale Internetseite der Infoläden - Link

