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Donnerstag-Gesellschaft

Melanie Lange, Moderne im Rheinland

Zu sehen ist eine Schwarz-Weiß-Fotografie, die den Moment festhält, da sich eine größere Anzahl von Menschen (circa 50 Personen) vor der Kulisse des Schlosses Alfter und gewissermaßen eingerahmt von einer imposant hohen Hecke zu einem Gruppenfoto aufgestellt haben.

Tag der Abstrakten Kunst 1947 in Schloss Alfter

Foto: Käthe Augenstein, Stadtarchiv Bonn
  • 1947–1950
  • Gesellschaft
  • Kultur
  • Alfter
  • Rheinland
  • Aufarbeitung
  • Grundsteine der Bonner Republik
  • Kunst
  • Nachkriegszeit

Von 1947 bis 1950 finden auf dem ländlichen Schloss Alfter 34 Veranstaltungen der Donnerstag-Gesellschaft statt. In Vorträgen, Lesungen und Aufführungen werden Literatur, Musik, Philosophie, Politik sowie bildende Kunst thematisiert. Die kulturelle Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit steht dabei im Mittelpunkt.

Hubert Berke, Joseph Faßbender, Toni Feldenkirchen, Hermann Schnitzler, Hann Trier und Wilhelm Weber, die im Nationalsozialismus aufgrund von Denunzierungen und auch wegen der Zerstörungen durch die Bombardements der Alliierten in das Umland Bonns ziehen, sind die Gründungsmitglieder der Donnerstag-Gesellschaft. Initialisierende Wirkung darf dem Vortrag „Trost aus Bildern“ von Prof. Dr. Otto H. Förster zugeschrieben werden. Diesen Vortrag hat er im November 1946 vor Mitgliedern des Kölnischen Kunstvereines gehalten und auf Bitten von Toni Feldenkirchen am 23. Januar 1947, einem Donnerstag, erneut im Schloss Alfter. Direkt im Anschluss erfolgt am 13. Februar 1947 die Gründungsversammlung der erklärtermaßen rechtsformfreien Donnerstag-Gesellschaft. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Fürst Franz Josef zu Salm-Reifferscheidt nicht nur zu den Gründungsmitgliedern gehört, sondern die Kultur-Initiative insofern unterstützt, als er maßgeblich dazu beiträgt, die in der Anfangszeit keineswegs selbstverständlichen Sondergenehmigungen sowohl für die Veranstaltungen als auch deren Besucher*innen zu erhalten.1
In der Folgezeit trifft sich der stetig größer werdende Kreis einmal im Monat zu disziplinübergreifenden Veranstaltungen. Zwei markante Höhepunkte der Gesellschaft stellen „Der Tag der abstrakten Kunst“ (20. Juli 1947) und die szenische Lesung von Jean-Paul Sartres „Die Fliegen“ (15. Februar 1948) dar. Als Symptom für die unmittelbare Nachkriegszeit darf der Hinweis von Hans M. Schmidt gelten: „Man erlangte die Teilnahmeberechtigung durch die Zahlung von 20 RM und die Ablieferung von 5 gr. Fettmarken der damals unentbehrlichen Lebensmittelkarten“.2
Wichtig für das Profil der Donnerstag-Gesellschaft ist die enge Anbindung an den Kölnischen Kunstverein. So ist der Mitgründer Toni Feldenkirchen in seiner Haupttätigkeit, zusammen mit Josef Haubrich, von 1942 bis 1972 Direktor des Kölnischen Kunstverein. Die Personalunion erstreckt sich bis zur Sekretärin des Kölnischen Kunstverein Frau Bamann, die ebenfalls informell für die Donnerstag-Gesellschaft tätig ist.

Hans M. Schmidt fasst die konzeptionellen Impulse und gesellschaftliche Bedeutung der Donnerstag-Gesellschaft wie folgt zusammen: „Hier gewannen das freie Gespräch, der lebendige Flug der Gedanken in der Öffentlichkeit und eine kritisch begleitete offene Kultur, unverzichtbare Elemente der jungen Demokratie in unserem Land und noch bevor eine eigene staatliche Verfassung in Sicht war, wieder einen die Humanitas bestätigenden Stellenwert.“3
Mit anderen Worten: Wie in den Mittwochgesprächen in der Metropole Köln ist es die bis ins Dörflich-Ländliche vordringende kulturelle Reflexion des Gestern, die zum zeitgenössischen Heute einer rechtsstaatlichen, demokratischen „Bonner Republik“ aufklärerisch festigende und vitale Elemente beisteuert.

Weiterführende Literatur und Links

Fußnoten

  1. Dieser Hinweis stammt von Frau Alexandra Runge, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Fördervereins Haus der Alfterer Geschichte e.V. – Arbeitskreis „Donnerstag-Gesellschaft 2.0“.
  2. Schmidt, Hans M.: Die Donnerstag-Gesellschaft zu Alfter. Eine ungewöhnliche Kultur-Initiative der Nachkriegszeit. In: Breuer, Dieter / Cepl-Kaufmann, Gertrude (Hrsg): Öffentlichkeit der Moderne – Die Moderne in der Öffentlichkeit: Das Rheinland 1945 – 1955 (Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte und Geschichte Nordrhein-Westfalens, Band 53), Essen 2000, S. 147.
  3. Ebd., S. 155.
  • Homepage der Donnerstag-Gesellschaft 2.0 - Link

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