Alle Spuren

Das Lied vom Bauer Maas und dem Kernkraftwerk Kalkar

Angelika Gwóźdź, Moderne im Rheinland

Auf einer Landstraße demonstrieren viele Menschen gegen Atomkraft. Am Anfang des Demonstrationszuges halten Demonstrierende ein Transparent mit dem Schriftzug "Weg mit dem schnellen Brüter! Atomkraft? Nein, Danke! Kein AKW am Niederrhein und auch nicht anderswo".

Demonstration gegen das Kernkraftwerk Kalkar im Jahr 1979.

Foto: Koen Suyk / Anefo, CC0, via Wikimedia Commons
Im Vordergrund weht eine Fahne, auf der eine lachende Comic-Sonne abgebildetet ist, mit dem Schriftzug "AKW? Nee!". Im Hintergrund das Kernkraftwerk, davor eine Wiese mit vereinzelten Menschengruppen und einer Zeltkonstruktion.

Protest gegen das Kernkraftwerk Kalkar auf der Wiese vom Bauern Josef Maas, 1981.

Foto: Hans van Dijk for Anefo, CC0, via Wikimedia Commons
  • 1973–1985
  • Gesellschaft
  • Politik
  • Kalkar
  • Niederrhein
  • Aktivismus
  • Industrie
  • Musik
  • Popkultur
  • Protest
  • Umwelt

Als zwischen 1973 und 1985 das Kernkraftwerk in Kalkar-Hönnepel erbaut wurde, protestierte der Bauer Josef Maas zusammen mit Zehntausenden anderen. Der Duisburger Liedermacher Frank Baier verewigte ihn in seinem „Lied vom Bauer Maas“. Die Anti-Atomkraft-Bewegung konnte zwar nicht den Bau, wohl aber die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks in Kalkar verhindern.

„Ein kleines Dorf am Niederrhein
Hönnepel genannt,
seit September ´77
als „STOP – Kalkar“ bekannt
50.000 kamen von überall
Und das nicht nur zum Spaß
Ihr Ziel war: stoppt den Schnellen Brüter
Auf der Wiese von Bauer Maas.“
1

Der eigentlich konservative Bauer Josef Maas wurde zur Symbolfigur der Proteste gegen den Bau und die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks in Kalkar. Er stellte den Demonstrierenden aus Belgien, Deutschland und den Niederlande nicht nur seine Wiese zur Verfügung, sondern legte auch juristischen Protest ein. Aus Solidarität produzierten Musiker*innen in Eigenregie die Schallplatte „Bauer Maas – Lieder gegen Atomenergie“ (1978). Der Erlös sollte die Prozesskosten des Bauern unterstützen. Trotz alternativer Verkaufsstrategien in der „Szene“ wurde die Platte ein Erfolg und schließlich dreimal aufgelegt. Für Josef Maas reichte es jedoch nicht aus, er musste 1985 sein Grundstück verkaufen.

Obwohl dieser Kampf verloren ging, war er nicht vergebens. Ein Jahr später kam es in Tschernobyl tatsächlich zur befürchteten Atomkatastrophe, die in der Landespolitik endlich ein Umdenken provozierte, zu dem die Bundespolitik noch nicht gelangt war. Die nordrhein-westfälische Landesregierung verzögerte die Überprüfung der Genehmigungsverfahren so lange, bis die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks finanziell nicht mehr zu verantworten war. 1991 verkündete Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber das endgültige Aus für das Projekt Kernkraftwerk Kalkar. Fast 20 Jahre nach den ersten Protesten konnte die Anti-Atomkraft-Bewegung endlich jubeln. Das Kernkraftwerk ging nie in Betrieb.

Wo Protest und ziviler Widerstand geleistet wurden, steht heute ein Freizeitpark.

Weiterführende Literatur und Links

Fußnoten

  1. Zitat aus "Das Lied vom Bauer Maas". Text und Musik von Frank Baier, 1978
  • "Das Lied vom Bauer Maas" zum Anhören - Link
  • Frank Baier: Leben – Kämpfen – Solidarisieren. Ruhrgebiet, Duisburg 2022.
  • Andreas Kühn: Kalkar 1977. Anti-Atomkraft-Bewegung und Polizei im Wandel. In: Geschichte im Westen, Jahrgang 22, Essen 2007, S. 269-289.
  • Regina Weber: Schallplatte „Bauer Maas – Lieder gegen Atomenergie“. - Link
  • André Zuschlag: Der Schnelle Brüter in Kalkar. In: Peter Reinkemeier und Ansgar Schanbacher (Hg.): Schauplätze der Umweltgeschichte in Nordrhein-Westfalen, Göttingen 2016, S. 169-183.

Verbundene Felder