Architektenstreit
Melanie Lange, Moderne im Rheinland
- 1949–1953
- Architektur
- Politik
- Kultur
- Düsseldorf
- Städteplanung
Am 27. Oktober 1949 bilden zehn Architekten den „Düsseldorfer Architektenring“, um in den 1950er Jahren als engagierte Einheit gegen die gespenstige Fortdauer des im Nationalsozialismus Meriten einheimsenden Personals der Stadt Düsseldorf zu protestieren und diesen Bannerträgern der Kontinuität eine zu demokratischen Denkmodellen und Gesellschaftsstrukturen kongeniale Baukultur entgegenzusetzen.
Das Verdienst des „Düsseldorfer Architektenringes“ (Mitglieder: Wilhelm Brink, Günter Benninghofen, Josef Lehmbrock, Bernhard Pfau, Wolfgang Plücken, Hans Plum, Kurt Schweflinghaus, Edmund Stelmaczyk, A. Vietze, B. Weil), besteht darin, seine Kritik sowohl auf das individuelle Verharrungsvermögen von einzelnen Personen zu richten (dazu gehören u. a. Friedrich Tamms, Julius Schulte-Frohlinde, Helmut Hentrich, Hans Heuser, Hanns Dustmann, Kurt Groote, Konstanty Gutschow oder Rudolf Wolters), als auch – in grundsätzlicher, weltanschaulich justierter Ausrichtung – auf das sinnfällige Weiterwirken von ehemals als tausendjährig proklamierten Überzeugungen, wie im demokratischen Sprachgebrauch die in der Sache mitunter ungebrochen fortbestehenden ‚Gesinnungen‘ heißen. Ihre dezidierte Ablehnung der Ernennung von Julius Schulte-Frohlinde zum Direktor des Düsseldorfer Hochbauamtes (am 1. Januar 1952) fassen die Mitglieder des „Düsseldorfer Architektenringes“ in folgende Worte:
„Unter den großen Städten Deutschlands hat Düsseldorf den traurigen Ruhm, diese Kulturspitzen des damaligen Systems in seine Aufbauarbeiten einzuspannen. Es geht hier nicht darum, etwa einem Menschen wegen der Zugehörigkeit zur Partei oder sonst einer Organisation den Prozess zu machen, sondern darum, ob wir erkannt haben, wie tief die nationalsozialistische Vorstellung von Baukultur sich von der der Demokratie unterscheidet. Die Baulöwen der Parteibauten haben sich in ihrer Baugesinnung nicht geändert.“ 1
So sorgfältig recherchiert und belegt die enorme Vergangenheitslast der Architektur-Protagonisten des Nationalsozialismus – in der Presse immer wieder aufgegriffen und der Gesellschaft explizit vor Augen geführt –, so ambitioniert und mehrstimmig vorgetragen das Aufbegehren der jungen Generation wird, als Ergebnis steht am Ende eine faktische Null.
Weiterführende Literatur und Links
Fußnoten
- Klotz, Heinrich (Hrsg.) / Durth, Werner (Text): Deutsche Architekten: Biographische Verflechtungen 1900-1970 (Schriften des deutschen Architekturmuseums zur Architekturgeschichte und Architekturtheorie), Braunschweig 1987 (2. Auflage), S. 298.
- Klotz, Heinrich (Hrsg.) / Durth, Werner (Text): Deutsche Architekten: Biographische Verflechtungen 1900-1970 (Schriften des deutschen Architekturmuseums zur Architekturgeschichte und Architekturtheorie), Braunschweig 1987.
- Anna, Susanne (Hrsg.): Architektenstreit. Wiederaufbau zwischen Kontinuität und Neubeginn (anlässlich der Ausstellung Architektenstreit – Wiederaufbau Zwischen Kontinuität und Neubeginn, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf in Kooperation mit dem BDA Düsseldorf, 7. Juni bis 31. August 2008), Düsseldorf 2009.
- Düwel, Jörn / Gutschow, Niels: Friedrich Tamms. Architektur und Städtebau 1933-1973. Gewissheiten und Gesetzmäßigkeiten, Berlin 2021.