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F24 – Die längste Hausbesetzung in Deutschland

Foto einer Häuserfront aus deren mittigem Fenster ein Transparent hängt: Wir fordern: Rücknahme der Abbruchgenehmigung. Über dem Foto steht: Kein Bagger schiebt uns fort.

Plakat, das eine Demonstration anlässlich der Hausbesetzung des Gebäudes Frauenstraße 24 in Münster zeigt

  • 1973–1981
  • Gesellschaft
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  • Köln
  • Aktivismus
  • Protest

„Ein besonderes Haus mit einer besonderen Kneipe“, so bezeichnen die jetzigen Eigentümer*innen das Haus ‚Frauenstraße 24‘ in Münster. Anfang der 1970er Jahre sollte die F24 – wie das Haus auch genannt wird – abgerissen werden, doch durch eine der ersten und längsten Hausbesetzungen in der Bonner Republik konnte die Wohnraumvernichtung verhindert werden.

Die F24 wurde vor dem Abriss gerettet und damit auch die bis heute existierende selbstverwaltete Kneipe im Erdgeschoss des Wohnhauses, die damals von den Besetzer*innen als Treffpunkt und zur Finanzierung von Kulturaktionen und Gerichtsprozessen betrieben wurde.
Bereits zwei Jahre zuvor, am 10. April 1970, hatten in der Kölner Roßstraße erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Mitarbeiter*nnen des Vereins ‚Sozialpädagogische Sondermaßnahmen Köln‘ (SSK) gemeinsam mit Unterstützer*innen ein Haus ‚instandbesetzt‘, um ein Jugendzentrum einzurichten. Im Anschluss daran folgten Hausbesetzungen in Frankfurt/Main, (West-)Berlin und Hannover mit zum Teil größeren polizeilichen Einsätzen, bevor am 13. Oktober 1973, in der Frauenstraße das „um 1900 errichtete [und] mit öffentlichen Mitteln 1949 wiederaufgebaut[e]“ Haus mit der Nummer 24, das als Spekulationsobjekt – nach zweijährigem, vom Besitzer bewusst verursachten Leerstand und nachfolgender Zerstörung – nun vom Abriss bedroht war, besetzt wurde. Durch eine der längsten Hausbesetzungen in der Geschichte der Bundesrepublik, in der das Haus in Eigenarbeit vollständig renoviert wurde, konnte der Abbruch schließlich verhindert, das Haus sogar als Baudenkmal in die Erhaltungssatzung für die Altstadt Münster aufgenommen und als Wohn- und Kulturprojekt nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen im März 1981 legalisiert werden. Zeitgleich mit dem Ankauf des Gebäudes durch die Landesentwicklungsgesellschaft NRW, die das Haus als studentischen Wohnraum erhalten wollte, fand vom 28. bis 29. März 1981 in Münster das bundesweit erste „Instandbesetzertreffen“ bzw. der erste „Hausbesetzer-Kongreß“ statt. Deutlich wurde auf dieser ersten überregionalen Zusammenkunft, dass neben dem elementaren Bedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum die Motive der Hausbesetzer*nnen vor allem in dem Wunsch lagen, eigene Räume, sogenannte ‚Freiräume‘ – in Form von Kultur-, Kommunikations-, Stadtteil-, Jugend- oder sonstigen politischen Zentren – zu schaffen und dort ‚hierarchiefrei‘ und ‚selbstbestimmt‘ im Kollektiv gemeinsam mit (in der Regel) gleichaltrigen Gleichgesinnten abseits herrschender Norm- und Wertevorstellungen Neues zu gestalten. Hausbesetzungen oder so genannte „Häuserkämpfe“ waren Teil jener Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre vornehmlich von Jugendlichen und Studierenden getragenen autonomen Protestkultur, die in der Forschung – in Abgrenzung zu den klassischen ‚sozialen Bewegungen‘, vor allem zu der seit Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls im außerparlamentarischen Raum agierenden Arbeiterbewegung – zu den ‚Neuen sozialen Bewegungen‘ gerechnet wird.

Weiterführende Literatur und Links
  • Weißenberg, Rita/Uppena, Bernd/Hrtscher, Joachim (Hg.): Frauenstraße 24. Geschichte einer erfolgreichen Besetzung, Münster 2023.
  • Paulus, Julia: Neue Soziale Bewegungen in den (nordrhein-westfälischen) Regionen, in: Geschichte im Westen 35 (2020), S. 129-14.
  • Paulus, Julia (Hg.): ‚Bewegte Dörfer‘. Neue soziale Bewegungen in der Provinz 1970-1990, Paderborn 2018.
  • Geschichte des Hauses Frauenstraße 24. - Link
  • amantine (Hg.), "Die Häuser denen, die drin wohnen!”. Kleine Geschichte der Häuserkämpfe in Deutschland, Münster 2012. - Link
  • Schmidt, Daniel: In Freiräumen leben. Hausbesetzungen und Hausbesetzer in der Bundesrepublik Deutschland 1970-1982, in: Duco Hellema u.a. (Hg.), Radikalismus und politische Reformen. Beiträge zur deutschen und niederländischen Geschichte in den 1970er Jahren, Münster 2012 (= Niederlande-Studien 53), S. 131-150.
  • "Leute bleibt heiter, der Häuserkampf geht weiter". Die BesetzerInnenbewegung in Münster 1972-2008. - Link

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