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Arkadaş-Theater

Angelika Gwóźdź, Moderne im Rheinland

Graphik mit weißen Konturen auf schwarzem Grund. Zwei bärtige Figuren in traditioneller türkischer Kleidung fahren auf einem angespitzten Baumstamm als Schiff über Wasser. Während einer Figur stehend das Steuerrad hält, sitzt die andere an der Spitze des Baumstamms. Auf dem Schornstein des Schiffs ist ein Wappen abgebildet, auf dem sich zwei Hände greifen. In den Rauchwolken, die aus dem Schornstein steigen.

Ausschnitt vom Plakat für die Aufführung von „Demokrasi Gemisi – Ein Schiff namens Demokratie“ (Aziz Nesin) für das Arkadaş-Theater, gestaltet von Meray Ülgen.

Grafik: Aus dem Archiv von Meray Ülgen.
Graphik mit weißen Konturen auf schwarzem Grund. Zwei bärtige Figuren in traditioneller türkischer Kleidung fahren auf einem angespitzten Baumstamm als Schiff über Wasser. Während einer Figur stehend das Steuerrad hält, sitzt die andere an der Spitze des Baumstamms. Auf dem Schornstein des Schiffs ist ein Wappen abgebildet, auf dem sich zwei Hände greifen. In den Rauchwolken, die aus dem Schornstein steigen, stehen der Titel des Theaterstücks und Meray Ülgen als Regisseur.

Plakat für die Aufführung von „Demokrasi Gemisi – Ein Schiff namens Demokratie“ (Aziz Nesin) für das Arkadaş-Theater, gestaltet von Meray Ülgen.

Grafik: Aus dem Archiv von Meray Ülgen.
  • 1986
  • Kultur
  • Gesellschaft
  • Köln
  • Aktivismus
  • Heimat
  • Migration
  • Repräsentation
  • Theater

"Wie der gebildete Hacivat, der Freund von [sic!] ungeschliffenen Karagöz, sich ausdrückt: ‚Gott, ich wünsche mir Unterhaltung, bitte!‘

Warum soll mann [sic!] denn immer und ewig von Integration, Rückkehrprämien, Arbeitslosigkeit, Asyl, Umzug oder Rente sprechen? Man braucht auch etwas Unterhaltung, oder nicht?"1

  1. arkadaş theater: Programmheft.

Bereits in den 1970er Jahren kritisieren türkische Kulturschaffende die bis heute unzureichende Integration in die deutsche Gesellschaft und den simultan drohenden Verlust der eigenen kulturellen Identität in einer neuen Umgebung. Um dem entgegenzuwirken, organisieren sie sich zu Gruppen, die sich der Verständigung zwischen deutschen und türkischen Bürger*innen verschrieben haben. Frei von Ressentiments und propagandistischen Motiven soll die Lücke der transkulturellen Bildung geschlossen werden. Sie wollen Geschichten erzählen, die die Lebenswelten der Menschen aus alter und neuer Heimat verbinden – und natürlich auch unterhalten.

Im Zuge dieser kulturellen Selbstermächtigungsbewegung bilden sich bundesweit türkische Theaterangebote wie das Arkadaş-Theater (übersetzt „Freund“) in Köln, das 1986 vom gleichnamigen Lehrer*innenverein (1978) ins Leben gerufen wird. Unterstützung bekommt der Initiator Necati Şahin von Meray Ülgen, der in Berlin erfolgreich an der Gründung türkischer Theaterensembles (u.a. Berlin Oyuncuları, 1976-78) beteiligt war. Auch nach seiner Zeit in Köln prägte er die postmigrantische Theaterlandschaft, so z.B. am Wupper-Theater (1991) in Wuppertal.

Das Theater wird zum Schutzraum für politisch verfolgte und zensierte türkische Künstler*innen. So ist es kein Zufall, dass das Arkadaş mit Aziz Nesins Satire „Demokrasi Gemisi“ (Ein Schiff namens Demokratie) (1978) eröffnet. Diese moderne Interpretation des Karagöz, eines traditionellen türkischen Schattentheaters, gehörte bereits zu den ersten Stücken in Ülgens früheren Berliner Projekten. Es erzählt die Geschichte des einfältigen Karagöz, der ein mit Schmuggelware beladenes Schiff zum Staat Mastariko navigieren soll. Mit einer Crew absurder Charaktere und diversen Verständigungsproblemen strandet das Schiff schließlich auf einer Müllhalde.

Das 1986 von Necati Şahin und Meray Ülgen gegründete Arkadaş-Theater steht stellvertretend für eine Reihe postmigrantischer Theaterensembles seit den 1970er Jahren. Nach vielen Jahren auf Tournee erhielt es 1997 eine feste Spielstätte und konnte sich schließlich in der Reihe der Kölner Bühnen etablieren. Ursprünglich im Kontext der türkischen Arbeitsmigration entstanden, hat sich die heutige “Bühne der Kulturen” für weitere internationale Projekte geöffnet.

Weiterführende Literatur und Links
  • Bühne der Kulturen - Link
  • Aziz Nesin: Ein Schiff namens Demokratie. Politische Satiren, Berlin 1984. Übersetzung von Brigitte Schreiber-Grabitz.
  • arkadaş theater / arkadaş tiyatrosu - türkischer Lehrerverein (Hg.): aziz nesin / DEMOKRASI GEMISI / Ein Schiff Namens Demokratie / Regie Meray Ülgen, Programmheft in 2. Ausgabe, o.J. S. 4. DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland, K09x Ark Dem.
  • arkadaş theater / arkadaş tiyatrosu - türkischer Lehrerverein (Hg.): Programmheft, "Demokrasi Gemisi - Ein Schiff namens Demokratie", o.J., o.S. DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland, FL2867
  • Boran, Erol M.: Die Geschichte des türkisch-deutschen Theaters und Kabaretts. Vier Jahrzehnte Migrantenbühne in der Bundesrepublik (1961-2004), Bielefeld 2022.
  • Schneider, Wolfang (Hg.): Theater und Migration. Herausforderungen für Kulturpolitik und Theaterpraxis. Bielefeld 2011.
  • Sappelt, Sven: Theater der Migrant/innen. In: Chiellino, Carmine (Hg): Interkulturelle Literatur in Deutschland. Ein Handbuch, Stuttgart 2007.

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