Warum ich es liebe, dass die Stadt Bonn jede Bedeutung verloren hat
Robert Hofmann, 2021
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- Bundeshauptstadt
Seitdem das Loch fehlt, ist Bonn noch beschissener. Aus den Überresten wächst jetzt ein riesiger, dunkler Gebäudekomplex. Bonn, wie das Loch, war nie schön oder groß, aber es war wenigstens mal was. Meine Heimat zum Beispiel. Oder Hauptstadt. Heute ist Bonn nichts mehr, und als ich mit dem ICE aus Berlin einfahre, um mich ein für alle mal zu verabschieden von dieser Stadt, da finde ich das auch gut.[...]
Für meine Abschiedstour habe ich mir eine Route zusammengestellt. Die soll erstens meine Nostalgie wecken und mir zweitens zeigen, was für ein Glück ich habe, nicht mehr in dieser Stadt zu wohnen. Denn der Esprit von Bonn war schon in den Rhein gesuppt und fortgeschwemmt, lange bevor ich ging. Ich, ein Mann von Welt, will nun ein letztes Mal herabblicken auf diese Stadt, die sich zwar UN- und Bundesstadt nennt, dabei aber genauso bedeutungslos ist wie ihre erfundenen Titel. Bonn ist so alt wie Jesus, etwa 2.000 Jahre. Nur zwei Dinge unterscheiden die beiden: Erstens haben die Römer Bonn nicht getötet, sondern gegründet, und zweitens ist Bonn auch gar nicht tot, sondern nur scheintot.
In Bonn sitzt nach wie vor das DAX-Kapital, mit der Deutschen Post und Telekom. Bundesministerien haben hier ihren Dienstsitz, sogar die UN füllt ein Hochhaus mit Büros. Die Straßen sind nicht nur langweilig aufgeräumt und sauber, sondern auch voll mit Autos und Menschen, die sich nicht ärgern über die Autos. Bonn ist einfach eine Stadt für Boomer.“1
Weiterführende Literatur und Links
Fußnoten
- Robert Hofmann: Warum ich es liebe, dass die Stadt Bonn jede Bedeutung verloren hat. In: vice, 30.4.2021 https://www.vice.com/de/article/akgd85/warum-ich-es-liebe-dass-die-stadt-bonn-jede-bedeutung-verloren-hat [letzter Zugriff am 13.3.2024