Oberbilk – ein Dreieck aus Gleisen
Flora Monteiro Claros Riepenhoff, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Stadtkarte von Oberbilk.
Screenshot: OpenStreetMap, 2025.- 2024
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„Tatsächlich ist Oberbilk ja ein Dreieck aus Gleisen, es gab also diese echte physikalische Grenze, und es gab eine psychologische Grenze. Das empfinde ich übrigens heute noch so. Es fällt mir immer noch schwer, die Gleise zu überqueren. Oberbilk zu verlassen – und sei es nur zum Einkaufen – ist jedes Mal eine bewusste Entscheidung.“1
- Mithu Sanyal, in: Wehrmann/ Luigs 2021, S.75.
War Oberbilk zunächst dünn besiedelt, benötigte Düsseldorf mit der beginnenden Industrialisierung in den folgenden Jahren immer mehr Arbeitskräfte. Mit seinen Arbeitsstätten war Oberbilk dafür der richtige Ort, denn Nahverkehr gab es damals noch nicht, und die Arbeitsstätten mussten fußläufig erreichbar sein.
Da es keine gute Anbindung zum Stadtkern gab, entwickelte sich so besonders im Raum zwischen Kölner- und Ellerstraße eine neue Welt, in der verschiedenste Menschen mit eigener Sprache, Religion und Lebensart aufeinandertrafen.
Die Verstaatlichung der Bahn und die Entstehung des Hauptbahnhofs sorgten dafür, dass Oberbilk schließlich völlig umschlossen von Bahndämmen wie durch eine Mauer vom Rest Düsseldorfs abgeschnitten war. Die Gleise bildeten hierbei nicht nur physische Barrieren, sondern stehen auch für die sozialen und kulturellen Grenzen, welche die Menschen in Oberbilk täglich überwinden müssen, da die Abgrenzung vom Stadtkern zusätzlich von der bürgerlichen, der Arbeiterklasse ablehnend und ängstlich entgegentretenden Bevölkerung Düsseldorfs unterstützt wurde.
Waren es also zunächst die Industrie und ihre Arbeiter, die sich in Oberbilk niederließen, kamen später Gastarbeiter, Arbeitssuchende und Flüchtende hinzu. Oberbilk entwickelte sich so von Anfang an zu einer Heimat für Personen, die soziale und kulturelle Vielfalt symbolisieren: Menschen, deren Wahrnehmung von Zugehörigkeit nicht nur durch ihre Herkunft, sondern auch durch ihr Netzwerk aus Beziehungen, Erfahrungen und Begegnungen definiert wird.
Heute ist von der Industrie und ihren Arbeitsstätten kaum noch etwas zu sehen. Die Eisenbahngleise, die Oberbilk umrahmen, sind ‚Denkmäler‘ jener Epoche und symbolisieren sowohl die Mobilität, die für das Wachsen Düsseldorfs zur Zeit der Industrialisierung notwendig war, als auch die Abgrenzung vom restlichen Teil der Stadt, welche noch heute spürbar ist.
Weiterführende Literatur und Links
- Aktion Oberbilker Geschichte(n) e.V. (Hg.): Düsseldorf - Oberbilk hat es in sich! Eine Stadtteilgeschichte anhand ausgewählter Themen und Standorte, Düsseldorf 2024.
- Wehrmann, Alexandra/Luigs, Markus: Oberbilk. Hinterm Bahnhof, Düsseldorf 2021.