Das Kling-Klang-Studio
Elise Brauer, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Ehemaliges Kling-Klang-Studio, Mintropstraße 16, Düsseldorf.
Foto: Elise Brauer, 2024.- 1970
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Was heute ein unscheinbarer Laden für Elektronik zu sein scheint, ist ein Ort, an dem in den 1970er Jahren Musikgeschichte geschrieben wurde. Das Kling-Klang-Studio war der kreative Mittelpunkt, von dem aus die Band Kraftwerk die Welt der Musik revolutionieren sollte.
Zwischen Synthesizern, Vocodern und selbstgebauten elektronischen Instrumenten entstanden in der Mintropstr. 16 in Düsseldorf Klänge, die bis heute als die einflussreichsten der deutschen Popmusikgeschichte gelten.
Kraftwerk entstand Anfang der 1970er Jahre unter Ralf Hütter und Florian Schneider. In der Zeit des Umbruchs als industrielles Herzstück Deutschlands durchging NRW eine Transformation der traditionellen Schwerindustrie, die nun Platz machte für eine technologieorientierte Wirtschaft. Die Werke von Kraftwerk spiegeln in Alben wie Autobahn (1974) und Trans Europa Express (1977) den technologischen Fortschritt und die wandelnde Identität der Region wider und beziehen in den Alben Die Mensch-Maschine (1978) und Computerwelt (1981) die Wechselwirkung von Mensch und Maschine mit ein.
NRW gilt als Heimat von Industriegiganten und aufstrebenden Technologieunternehmen und war prädestiniert für diese musikalische Reflexion. Kraftwerks Fusion aus industriellem Erbe und zukunftsweisender Innovation ist charakteristisch für die Region geworden. Neben ihren akustischen Pionierleistungen ist ihre visuelle Ästhetik zu einem Markenzeichen geworden, das Generationen von Künstler*innen und Designer*innen bis heute beeinflusst.
Die Musik und Popkultur dieser Zeit war stark von Nordamerika dominiert. Kraftwerk betrachtete dies als Mangel an musikalischem und kulturellem Identifikationswandel und stellten dem ihre Suche nach neuen Ausdrucksformen entgegen:
„After the war […] German Entertainment was destroyed. The German People were robbed of their culture, putting an American hat on it. I think we are the first generation born after the war to shake this off […]“ – Hütter
Das deutsche Lied- und Kulturgut hat Kraftwerk auf einen aktuellen Punkt gebracht und diesen über Jahre hinweg perfektioniert. Die Verbindung von lokaler Identität und globaler Relevanz macht die Formation zu einem kulturellen Botschafter NRWs weit über dessen Grenzen hinaus. Die Klangschöpfungen des musikalischen ‚Kraftwerks‘ sind ebenso wie die Region (als tragendes Element der „Bonner Republik“) modern, innovativ, zukunftsorientiert, ohne die industriellen Wurzeln zu verleugnen.
Weiterführende Literatur und Links
- Albiez, Sean: Kraftwerk. Music non-stop, New York 2011.
- Koch, Albert: Kraftwerk. Hannibal, Höfen 2002.
- Matejovski, Dirk / Dreckmann, Kathrin: Kraftwerk - die Mythenmaschine, Düsseldorf 2016.
- Schiller, Melanie: Wie klingt die Bundesrepublik? Kraftwerk, Autobahn und die Suche nach der eigenen Identität, in: Uwe Schütte (Hg.): Mensch-Maschinen-Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk, Düsseldorf 2018, S. 34-49..
- Schütte, Uwe (Hg.): Mensch–Maschinen–Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk, Düsseldorf 2021.